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Auswandern nach Portugal - Behinderte und chronisch Erkrankte

Auswandern mit besonderen Bedürfnissen: Dein Weg nach Portugal

Auswandern mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen nach Portugal ist machbar, erfordert aber Planung. Das SNS bietet eine solide Basis, private Versicherungen ergänzen sie sinnvoll. Unterstützung gibt es, aber sie ist weniger umfassend als in Deutschland – Netzwerke und Eigeninitiative sind entscheidend.  


Wie gestaltet sich das Auswandern mit chronischen Erkrankungen?

Auswandern mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herzproblemen bedeutet, dass du deine Gesundheitsversorgung im neuen Land sicherstellen musst. In Portugal profitierst du als EU-Bürger vom Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem (SNS – Serviço Nacional de Saúde), das Grundversorgung bietet. Wichtig ist:

  • Medikamente: Prüfe vorab, ob deine Dauermedikamente in Portugal verfügbar sind. Bringe einen Vorrat mit und besorge ein ärztliches Attest (auf Englisch oder Portugiesisch) für Zoll und Rezepte.
  • Krankenversicherung: Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) hast du zunächst Anspruch auf notwendige Behandlungen. Für Langzeitaufenthalte melde dich beim SNS an – dafür brauchst du eine portugiesische Steuernummer (NIF) und eine Aufenthaltsgenehmigung (nach 90 Tagen).
  • Vorbereitung: Besprich deinen Umzug mit deinem Arzt in Deutschland, um einen Behandlungsplan zu erstellen und Überweisungen vorzubereiten.

Tipp: Plane Pufferzeiten ein, da Wartezeiten im öffentlichen System lang sein können. Eine private Zusatzversicherung (z. B. MGEN oder Médis, ca. 30–100 EUR/Monat) verkürzt Wartezeiten und erweitert den Zugang zu Spezialisten.

Welche Unterstützung gibt es für Menschen mit Behinderungen?

Portugal bietet Menschen mit Behinderungen einige Unterstützungsoptionen, allerdings ist das System weniger umfassend als in Deutschland:

  • Soziale Unterstützung: Das "Instituto da Segurança Social" verwaltet Leistungen wie das "Complemento por Dependência" (Pflegezuschuss) für pflegebedürftige Personen. Voraussetzung ist ein anerkannter Behinderungsgrad und Wohnsitz in Portugal.
  • Barrierefreiheit: In Städten wie Lissabon und Porto gibt es Fortschritte (z. B. barrierefreie Busse), aber ländliche Gebiete hinken nach. Prüfe die Infrastruktur deines Wohnorts.
  • Arbeitsmarkt: Programme wie "Emprego Apoiado" fördern die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen, oft mit staatlicher Unterstützung für Arbeitgeber.

Für EU-Bürger können deutsche Leistungen (z. B. Pflegegeld) unter Umständen ins Ausland mitgenommen werden – kläre das mit deiner Krankenkasse oder dem Versorgungsamt.

Wie finde ich spezialisierte Ärzte und Therapieangebote?

Die Suche nach spezialisierten Ärzten und Therapien in Portugal erfordert Eigeninitiative:

  • Öffentliches System: Hausärzte im SNS ("Centro de Saúde") überweisen dich zu Fachärzten. Wartezeiten können Monate betragen, besonders für Neurologen oder Rheumatologen.
  • Privatkliniken: In Lissabon (z. B. Hospital da Luz) oder an der Algarve (Hospital Particular) findest du schneller spezialisierte Ärzte, oft mit Englischkenntnissen. Kosten: 50–100 EUR pro Termin.
  • Therapieangebote: Physiotherapie oder Ergotherapie sind im privaten Sektor leichter zugänglich (ca. 30–60 EUR/Sitzung). Organisationen wie die "Associação Portuguesa de Paralisia Cerebral" bieten spezielle Programme.
  • Netzwerke: Deutsche Expat-Gruppen (z. B. auf Facebook) oder die Deutsch-Portugiesische Handelskammer können Kontakte zu deutschsprachigen Ärzten vermitteln.

Tipp: Suche online auf Plattformen wie "Doctoralia.pt" nach Bewertungen und Spezialisierungen.

Wie werden Hilfsmittel im Ausland finanziert?

Die Finanzierung von Hilfsmitteln (z. B. Rollstühle, Hörgeräte) in Portugal hängt von deinem Status ab:

  • SNS: Nach Anmeldung beim Gesundheitssystem kannst du Hilfsmittel beantragen, aber die Kosten werden nur teilweise übernommen, und die Bearbeitung dauert. Ein ärztliches Rezept ist Pflicht.
  • Private Versicherung: Zusatzversicherungen decken oft mehr Hilfsmittel ab – prüfe die Konditionen vor Abschluss.
  • Deutsche Unterstützung: Wenn du in Deutschland bereits Hilfsmittel bezogen hast, kannst du diese mitnehmen. Die deutsche Krankenkasse erstattet manchmal weiterhin Kosten, wenn du deinen Wohnsitz teilweise behältst (Doppelresidenz). Kläre das im Vorfeld.
  • Selbstzahlung: In Portugal sind Hilfsmittel wie ein einfacher Rollstuhl (ca. 200–500 EUR) erschwinglich, spezialisierte Geräte jedoch teuer.

Tipp: Dokumentiere deinen Bedarf (z. B. mit einem deutschen Gutachten) und beantrage Unterstützung frühzeitig.