
Weinproduktion in Portugal
Weinproduktion in Portugal: Tradition trifft Moderne
Portugal ist ein Land der Weinleidenschaft – ein kleines Fleckchen Europa, das mit einer beeindruckenden Vielfalt an Weinen und einer tief verwurzelten Weintradition glänzt. Von den steilen Schieferhängen des Douro bis zu den weiten Ebenen des Alentejo hat sich die Weinproduktion hier über Jahrhunderte entwickelt. Doch wie sieht sie heute aus? Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Reise durch die Zahlen, Regionen und Trends der portugiesischen Weinwelt im Jahr 2025, basierend auf den neuesten verfügbaren Daten.
Die Weinberge: Fläche und Wandel
In 2021 erstreckten sich Portugals Weinberge über 192.028 Hektar – die viertgrößte Rebfläche in Europa nach Spanien, Frankreich und Italien und die neuntgrößte weltweit (IVV und OIV, 2022). Damit ist Portugal ein bedeutender Spieler, auch wenn die Rebfläche in den letzten 30 Jahren um etwa 30 % geschrumpft ist, von einst fast 270.000 Hektar auf das aktuelle Niveau. Dieser Rückgang, unterstützt von der EU, war Teil einer Strategie zur Steigerung der Qualität und des Mehrwerts, um mit den aufstrebenden Produzenten des "Neuen Welt" – wie den USA, Australien oder Südafrika – zu konkurrieren. Seit 2016 zeigt sich jedoch eine Trendwende: Die Fläche wächst wieder, reguliert durch EU-Gesetze mit einem maximalen jährlichen Zuwachs von 1 %.
Besonders spannend ist der Gegensatz zwischen Regionen: Während die Rebfläche national um 20 % in den letzten zwei Jahrzehnten zurückging, verzeichnete der Alentejo ein Wachstum von 55 %. Der Douro bleibt jedoch die größte Weinregion des Landes, gefolgt von Alentejo und Lissabon, die sich die Spitze teilen.
Weinbau in Portugal: Klein, aber oho
Die Weinrebe ist die am weitesten verbreitete Dauerkultur Portugals – über die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe mit Dauerkulturen (51,9 %) und etwa 40 % aller landwirtschaftlichen Betriebe bauen sie an. Laut dem Recenseament Agrícola 2019 des INE gibt es 111.505 Weinbaubetriebe, verteilt über das ganze Land. Besonders im Norden, etwa im Douro und Trás-os-Montes, dominieren kleine Minifundien (63,5 %), während im Alentejo größere Betriebe die Landschaft prägen. Seit 1989 hat sich die Zahl der Betriebe von 366.900 auf gut ein Drittel reduziert – ein Rückgang von fast 70 %.
Die meisten dieser Betriebe sind winzig: 75 % haben weniger als 1 Hektar, 20 % zwischen 1 und 5 Hektar, und nur 5 % überschreiten 5 Hektar. Doch die durchschnittliche Betriebsgröße hat sich in 30 Jahren verdoppelt, von 0,73 auf 1,52 Hektar, was Skaleneffekte, höhere Produktivität und bessere Qualität ermöglicht. Nur 3,3 % der Betriebe beschäftigen festes Personal – die übrigen 96,7 % setzen auf Familienarbeit und saisonale Helfer. Bewässerungssysteme finden sich zudem nur in 17 % der Weinberge, was die Abhängigkeit von natürlichen Bedingungen unterstreicht.
Traubenproduktion: Schwankend, aber stark
Im Jahr 2021 erreichte die Traubenproduktion mit 977.664 Tonnen den höchsten Stand seit 2006 – ein beeindruckendes Ergebnis nach Jahren mit starken Schwankungen, die durch Wetter, Schädlinge und Erntebedingungen typisch sind. Vergleicht man jedoch die Durchschnittswerte der Perioden 2001–2005 und 2017–2021, zeigt sich ein Rückgang um 15 %, während die Rebfläche im gleichen Zeitraum um 20 % schrumpfte. Das bedeutet: Die Produktivität pro Hektar ist gestiegen – ein Zeichen für modernere Anbaumethoden und bessere Pflege der Reben.
Weinproduktion: Ein Rekordjahr
2021 war ein Glanzjahr für die portugiesische Weinproduktion: 7,4 Millionen Hektoliter wurden gekeltert, ein Plus von 14,7 % gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht 2,8 % der weltweiten Produktion (260 Millionen Hektoliter) und macht Portugal zum zehntgrößten Weinproduzenten global und fünftgrößten in Europa. Besonders bemerkenswert ist, dass dieser Höchststand seit 2006 erreicht wurde, obwohl die Rebfläche um über 20 % zurückging – ein Beweis für die Effizienzsteigerung.
Die Verteilung zeigt regionale Stärken: Der Douro führt als größte Produktionsregion, dicht gefolgt von Lissabon und Alentejo. Letzterer, zusammen mit Terras da Beira, verzeichnet die stärkste Wachstumsrate der letzten fünf Jahre (CAGR), was die Dynamik des Südens unterstreicht. Qualitativ dominieren DOC- (Denominação de Origem Controlada) und IGP-Weine (Indicação Geográfica Protegida), die strenge Standards für Rebsorten und Herkunft erfüllen.

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Portugals Weinproduktion 2021/22: Ein regionaler Überblick
Portugal ist ein Land der Weinvielfalt, das mit seinen Regionen von Douro bis Alentejo beeindruckt. Die Kampagne 2021/22 zeigt, wie stark die einzelnen Gebiete zur Gesamtproduktion von 7.358.539 Hektolitern (hl) beitragen. Hier ein Überblick über die Produktionsmengen der wichtigsten Weinregionen:
- Douro: 1.614.669 hl
- Lisboa: 1.339.162 hl
- Alentejo: 1.289.473 hl
- Minho: 893.694 hl
- Tejo: 713.233 hl
- Península de Setúbal: 548.124 hl
- Terras do Dão: 286.821 hl
- Terras da Beira: 261.418 hl
- Beira Atlântico: 180.630 hl
- Trás-os-Montes: 106.029 hl
- Terras de Cister: 65.378 hl
- Madeira: 37.612 hl
- Algarve: 15.939 hl
- Açores: 6.458 hl
- Sub-total Ilhas (Madeira + Açores): 44.070 hl
- Gesamtmenge : 7.358.539 hl
Diese Zahlen spiegeln die Stärke des Douro wider, aber auch das Wachstum im Alentejo.

Das Douro Tal
Liste der 20 am häufigsten verwendeten Rebsorten nach bewohnter Fläche (ha)
- Aragonez / Tinta Roriz / Tempranillo: 20.161 ha
- Touriga Franca: 14.443 ha
- Touriga Nacional: 13.301 ha
- Fernão Pires / Maria Gomes / Periquita: 8.924 ha
- Castelão / João de Santarém: 8.794 ha
- Trincadeira / Tinta Amarela: 6.909 ha
- Baga: 6.904 ha
- Alicante Bouschet: 6.324 ha
- Loureiro: 6.302 ha
- Syrah / Shiraz: 5.970 ha
- Arinto / Pedernã: 5.799 ha
- Síria / Roupeiro / Códega: 5.726 ha
- Vinhão / Sousão: 3.733 ha
- Tinta Barroca: 3.501 ha
- Alvarinho: 3.345 ha
- Jaen / Mencía: 3.084 ha
- Rufete / Tinta Pinheira: 2.651 ha
- Caladoc: 2.407 ha
- Malvasia Fina / Boal: 2.294 ha
- Trajadura / Treixadura: 1.794 ha
Die Analyse der 20 am häufigsten verwendeten Rebsorten in Portugal zeigt eine klare Dominanz roter Sorten, die 70 % der Liste ausmachen, was die Bedeutung von Rotweinen für Regionen wie Douro und Alentejo unterstreicht. Besonders im Douro prägen Sorten wie Touriga Franca, Touriga Nacional und Tinta Barroca die Produktion, während im Alentejo Alicante Bouschet und Trincadeira hervorstechen.
Weißweinsorten wie Loureiro, Alvarinho und Trajadura betonen die Rolle des Minho für Vinho Verde, wobei 30 % der Top-Sorten weiß sind.
Internationale Sorten wie Syrah und Caladoc finden sich ebenfalls in der Liste, was Portugals Balance zwischen Tradition und Innovation verdeutlicht.

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Weinkonsum in Portugal: Ein Land der Genießer
Portugal führt im Jahr 2021 mit einem Weinkonsum von 51,6 Litern pro Kopf die Weltrangliste an, dicht gefolgt von Frankreich (47,3 Liter) und Italien (46,8 Liter), was die tiefe Verwurzelung der Weinkultur in Südeuropa unterstreicht. Im Vergleich dazu liegt die Schweiz bei 33,6 Litern, Deutschland bei 27,8 Litern und die USA bei nur 12,0 Litern, während Länder wie Brasilien (2,4 Liter) oder Japan (3,0 Liter) deutlich weniger konsumieren. Diese Zahlen zeigen, dass Wein in Portugal nicht nur ein Getränk, sondern ein Lebensgefühl ist – ein Paradies für Weinliebhaber, das Tradition und Genuss vereint.